Preisverleihung des 12. freistil Jugendengagementwettbewerbs

Zehn Projekte von engagierten Jugendlichen am 8. Mai im Stadthaus in Halle ausgezeichnet

8. Mai 2015

Preisverleihung freistil 2015

Preisverleihung freistil 2015

Zur Preisverleihung des 12. freistil – Jugendengagementwettbewerbs am 8. Mai feierten mehr als 100 Gäste das vielfältige jugendliche Engagement in Sachsen-Anhalt. Dazu waren die engagierten Jugendlichen, Vertreter*innen der Politik, die Förderer des Wettbewerbs und natürlich das freistil-Team im Stadthaus von Halle (Saale) zusammengekommen. Insgesamt wurden 9 Jurypreise und ein Publikumspreis an Projekte junger Menschen vergeben. Die jungen Projektemacher*innen konnten sich neben Preisgeldern im Gesamtwert von 5.800 Euro auch über Angebote von Coachings, Beratungen und Weiterbildungen für ihre Projekte freuen. Alle Bewerber*innen wurden zudem eingeladen, an einer Fahrt nach Berlin inklusive Bundestagsbesuch und Kulturprogramm teilzunehmen.

Arbeits- und Sozialminister Norbert Bischoff äußerte sich begeistert über das vielfältige Engagement junger Menschen in Sachsen-Anhalt. Bischoff, der auch Schirmherr des Wettbewerbs „freistil“ ist, sagte: „Es stimmt zuversichtlich zu erleben, in welch vielfältiger Weise sich junge Menschen engagieren und damit gesellschaftlich einbringen und einmischen. Dieses Engagement stärkt unsere Gesellschaft und macht sie wehrhaft gegen Dumpfheit und Stillstand. Mit ihrem Engagement dokumentieren Jugendliche, dass sie sehr wohl Interesse und auch Freude daran haben, zu gestalten und auch Verantwortung für sich und auch andere übernehmen wollen. Werte wie Hilfsbereitschaft, Menschlichkeit, Solidarität sind keine leeren Worthülsen.“ Der Minister dankte den Initiatoren und Veranstaltern des Engagement-Wettbewerbes „freistil“.  Er sagte: „Mit dem Wettbewerb wird Engagement gewürdigt. Vor allem aber wird es öffentlich bekannter gemacht. Das ist gut so.“

Der freistil-Jugendengagementwettbewerb ist ein Projekt in Trägerschaft des Freiwilligen-Agentur Halle-Saalkreis e.V. und wird durchgeführt in Kooperation mit dem Freiwilligenagentur Magdeburg e.V., der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt, dem Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt e.V., der Friedrich-Ebert-Stiftung, dem ijgd – Landesverein Sachsen-Anhalt e.V. und der Sportjugend im Landessportbund Sachsen-Anhalt e.V.

Unterstützt wird der 12. freistil-Jugendengagementwettbewerb durch das Land Sachsen-Anhalt, die Stiftung Demokratische Jugend, die Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt, die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH Zeitz, die Total Raffinerie Mitteldeutschland GmbH, das Autohaus Liebe sowie den PATTÉ Meisterfachbetrieb.

Weitere Informationen

Zum 12. Jugendengagementwettbewerb wurden 56 Bewerbungen eingereicht. Mitgemacht haben 52 Gruppen und 4 Einzelpersonen aus Sachsen-Anhalt, die sich für andere engagieren und im Alter von 14 bis 27 Jahren sind. Insgesamt beteiligten sich damit mehr als 650 Jugendliche. Besonders viele Jugendliche engagieren sich für soziale Anliegen sowie im Bereich Gesellschaft und Politik. Ein Trend, der auffiel: Mehrere Gruppen aus der Skater- und Hip-Hop-Szene bewarben sich mit unterschiedlichen Formaten: Von selbstorganisierten Konzerten über die Erschließung neuer Räume für ihre Hobbies und einer eigenen Radiosendung bis hin zu Integrationsangeboten mittels Breakdance reichte die Bandbreite.

Preisträger*innen des 12. freistil-Jugendengagementwettbewerbs
(in alphabetischer Reihenfolge)

Break Grenzen! Aktion Mensch (Magdeburg)
Tanzen verbindet Menschen – egal aus welcher Kultur sie kommen. Für zehn Kinder zwischen 6 und 16 Jahren mit und ohne Fluchthintergrund bietet eine Tanzgruppe nun die Möglichkeit des kostenlosen Trainings und Coachings im Bereich Breakdance. Ziel ist, eine Tanzgruppe aufzubauen, deren Mitglieder über kulturelle Unterschiede hinweg längerfristig an gemeinsamen Projekten arbeiten. Mithilfe des interkulturellen Austausches im Tanz sollen geschlechts-und kulturbezogene Vorurteile hinterfragt werden. Seit Oktober 2014 findet fast jeden Freitag das Training im Kurs-Center Well in Time statt. Den Kindern wurden zu Anfang des Projekts eine einheitliche Tanzgruppen-Kleidung und Ausrüstung gekauft sowie mit Siebdruck Technik T-Shirts angefertigt. Mitte April 2015 wird das Projekt mit einem Workshop sowie einer Abschlussfeier für alle Teilnehmer*innen abgeschlossen.

Fahrradkino (Halle (Saale) und Umgebung
Institution: CultureConAction e.V.
Ein Kinoerlebnis mit selbstgemachtem „Ökostrom“ – so beschreiben die Organisator*innen des Fahrradkinos ihre Idee: Sie verbinden soziale und politische Themen mit Umweltschutz und Nachhaltigkeit und machen diese im wahrsten Sinne des Wortes „er-fahr-bar“. Die Kinogäste erzeugen durch das Fahrradfahren den Strom, welcher die Kinoanlage betreibt. Gezeigt werden gesellschaftskritische Filme oder Dokumentationen, welche oft mit einem Rahmenprogramm (Vorträge, Informationsstände, Workshops, etc.) verbunden werden. Durch diese Methoden, regen die Initiator*innen zum Nachdenken und Hinterfragen verschiedener Sachverhalte an. Spaß und eine schöne gemeinsame Zeit entstehen ganz durch die angenehme Kinoatmosphäre mit Popcornduft, netten und diskussionsfreudigen Menschen sowie die guten Gespräche zwischen Engagierten und (noch)-nicht-Engagierten. Das Projekt existiert bereits seit 2010. Andere Vereine und Initiativen können die Fahrradkinoanlage ausleihen und ebenfalls nutzen.

Jugendtheater-Aktionsgruppe “Das größere Übel“ (Halle (Saale))
Seit Februar 2015 macht eine Jugendgruppe in Halle auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam. Mit provokativen Aktionen im öffentlichen Raum erreichten und konfrontierten sie beispielsweise Passant*innen auf dem Marktplatz – der lokale Sender TV Halle berichtete darüber. Ansatz ist es, abstrakte Politik, z.B. zum Thema Asyl und Migration, durch paradoxe und interaktive Installationen erlebbar zu machen und zu zeigen, wie unmenschlich und ignorant das menschliche Miteinander zuweilen ist. Die Idee entstand im Rahmen eines Theaterworkshops. Das Ziel sind Auseinandersetzungen. Ein Miteinander zu erreichen, anstatt übereinander zu reden. Kontaktaufnahme gegen Anonymität. Im Aufbau befinden sich derzeit eine Homepage und eine Facebookseite. Weitere Aktionen sind ebenfalls in Planung.

Medinetz Halle/Saale e.V. (Halle (Saale))
Institution: Medinetz Halle/Saale e.V.
Medinetz Halle vermittelt medizinische Hilfe für Migrant*innen. Ziel der jungen Studierenden ist es, eine medizinische Versorgung für diejenigen in Deutschland lebenden Personen sicherzustellen, denen der Zugang zum Gesundheitssystem nicht selbstverständlich zusteht. Dabei handelt es sich um Illegalisierte und Geflüchtete, Asylbewerber*innen oder nicht versicherte EU-Bürger*innen. Dazu werden nach Kontakt mit dem jeweiligen Patienten Arzttermine vermittelt, wobei die Fachärzt*innen im Voraus eine anonyme und kostenlose Behandlung zugesichert hat. Es geht darum, das ehrenamtliche Engagement von Ärzt*innen zu vernetzen sowie um die Verbesserung der medizinischen Versorgung unabhängig vom Aufenthalts- und Krankenversicherungsstatus der Menschen.

Petition gegen den Akkordschlachthof in Bernburg (Bernburg)
Im März 2014 verfasste eine junge Frau aus Aschersleben eine Onlinepetition gegen den Bau eines Schweineschlachthofes in Bernburg. Sie war nicht die Einzige, die diesen Akkordschlachthof verhindern wollte, es gründete sich auch eine Bürgerinitiative zu diesem Zweck. Gemeinsam organisierten sie Veranstaltungen und ein Bürgerbegehren mit dem Erfolg, dass der Stadtrat den Bau des Schlachthofes schließlich abwählte. Die Petition erreichte sehr viele Menschen in der Region aber auch darüber hinaus und zog ein beachtliches Medieninteresse nach sich. Diese breite mediale Aufmerksamkeit nutzte die junge Engagierte, um auf die Problematik von Massentierhaltung und ihre Folgen aufmerksam zu machen. Auch in Zukunft möchte sie sich dafür einsetzen, andere Jugendliche zu ermutigen, sich für ihre Belange und Interessen einzusetzen und als Vorbild zu wirken.

Pixelplays – Computerspiele AG (Magdeburg)
Institution: fjp>media-Magdeburg
In den Winterferien 2014 trafen sich einige Jugendliche bei einem GameMaker Workshop im Medientreff zone!. Gemeinsam gründeten sie eine Computerspiele AG und treffen sich nun regelmäßig. Sie testen Spiele, lernen neue Leute kennen und informieren über Computerspiele und darüber, welche spannenden Projekte sie aktuell durchführen auf einer eigenen Homepage. Zu den Projekten gehören „Let’s Play-Videos“, Fotostrike, ein Minecraft Bauwettbewerb, selbst erstellte Computerspiele und Testberichte. Damit möchten sie erreichen, dass Computerspiele nicht nur negativ verstanden werden und richten sich somit insbesondere an Eltern, Lehrer*innen und ältere Menschen. Am Familientag bestand die Möglichkeit den eigenen Familien Lieblingsspiele zu zeigen und viel über die Onlinespielwelten zu erklären. Die AG wächst kontinuierlich, regelmäßig kommen neue Mitglieder dazu.

RoQ keeps equality (Quarnebeck)
Institution: Junge Gemeinschaft Altmark e.V.
Bereits seit 2008 setzen die Quarnebecker Jugendlichen mit ihrem Projekt ein Zeichen gegen Extremismus in der Altmark. Im letzten Jahr fand bereits zum fünften Mal das Rockfestival statt, bei dem auch die auftretenden Bands eindeutig Stellung beziehen. Damit wollen die Jugendlichen ihre Altersgenossen bereits frühzeitig auf die Gefahren von Extremismus hinweisen und treten für mehr Vielfalt in ihrer Heimat ein. Jahr für Jahr werden die Besucher*innen mit frischen Ideen überrascht, so gab es z.B. schon eine Altmarkversion des Happy Videos von Pharell Williams oder einen selbstgebauten RoQ-Fotoautomaten. Die Planungen für die nächste Veranstaltung 2016 haben bereits begonnen, es sollen wie immer junge Menschen aus der Region zum Mitmachen und Mitgestalten angeregt werden – Engagementförderung von Jugendlichen für Jugendliche! Besonders stolz sind die Organisator*innen zudem auf ihre gute Zusammenarbeit mit dem Jugendamt: Ausnahmsweise dürfen Minderjährige bis nach 24 Uhr am Festival teilnehmen und sich so ebenfalls mit der wichtigen Botschaft gegen Extremismus identifizieren. Auch für Nachwuchsbands ist das Festival eine wichtige Größe.

Sommerfestival des Zeitzer Jugendbeirats (Zeitz)
Institution: Jugendbeirat Zeitz
Das Schuljahr geht zu Ende, die Zensuren sind fertig, Schüler*innen und Lehrer*innen sind urlaubsreif. Um das Ende des Schuljahres sinnvoll und dennoch mit viel Spaß zu erleben, stellte der Jugendbeirat Zeit gemeinsam mit Kooperationspartner*innen 2014 ein Sommerfestival für alle Zeitzer Schüler*innen auf die Beine. Angeboten wurden 22 Workshops, von Zivilcourage und erste Hilfe über Paartanz, Trommeln und weitere zahlreiche künstlerisch-kreative Angebote bis hin zu Medien wie Film und Zeitung oder Sport war für jede*n etwas dabei. So konnten sich die Jugendlichen der 8. Bis 12. Klassen aller Schulen bei spannenden Veranstaltungen am vorletzten Schultag gegenseitig kennenlernen und am ersten Ferientag zusätzlich gemeinsam ausgelassen feiern. Vorurteile zwischen verschiedenen Schulformen sollten abgebaut werden. Das nächste Sommerfestival wird 2015 stattfinden und wird durch den in der Stadt gut vernetzten Jugendbeirat bereits vorbereitet.

Tit for Tat 1000 (Dessau-Roßlau) – Publikumspreis
Institution: Jugendclub Zoberberg
Wie verbringt man im Jugendclub seine Freizeit? Mit Spielen, Toben – oder aber mit gemeinnütziger Arbeit. Zumindest wird diese Form der Freizeitaktivität im Jugendclub Zoberberg in Dessau-Roßlau gepflegt. Mit Unterstützung von Erwachsenen helfen die engagierten Jugendlichen bei ausgeschriebenen oder selbst vorgeschlagenen Projekten mit, wie z.B. „Putzen in der Platte“, das Tafelcafé an der Dessauer Tafel oder einem Laternenumzug. Für jede Viertelstunde geleistete Hilfe erhalten die Teilnehmer Stempelpunkte. Werden 1000 Stempel gesammelt, ist das Ziel erreicht und ein Geldbetrag zur Hälfte zwischen den fleißigsten Teilnehmer*innen sowie Projekten anderer sozialer Einrichtungen aufgeteilt. Über die Aufteilung stimmen die Teilnehmenden selbst ab. Dadurch lernen die Jugendlichen, dass gemeinnützige Arbeit gewinnbringend und sinnstiftend ist.

Willi’s Bienenvolk (Magdeburg)
Institution: Sekundar-und Gemeinschaftsschule “Wilhelm Weitling”
Studenten aus Magdeburg bauen zusammen mit Schüler*innen einer Sekundarschule seit August 2014 eine Schul-Imkerei mit Schulgarten und einer Streuobstwiese auf. Diese Einrichtungen sollen als praktische Lernorte dienen, indem sie von den Schüler*innen selbst bewirtschaftet und gepflegt werden. Im Rahmen des Projekts sollen die Schüler*innen selbst praktische Erfahrungen machen und nachhaltig lernen, statt Frontalunterricht zu bekommen. Die Grundlagen der Imkerei wurden bereits im POL-Unterricht behandelt, so dass die Bienen demnächst in die Schüler-Imkerei einziehen können. Damit werden das Interesse der jungen Menschen an der Natur gefördert, Erfolge des eigenen Handelns sichtbar gemacht sowie eine praxisnahe Berufsorientierung gegeben.

Kontakt

Freiwilligen-Agentur Halle
Lina Wunderlich
Leipziger Str. 37
06108 Halle (Saale)
Telefon: 0345/ 685 6857 | mobil: 0177/ 3105262
E-Mail: lina@freistil-lsa.de
Internet: www.freistil-lsa.de