„Ich bekomme viel Unterstützung“ – Jörg & Barakat erzählen über ihre Berufspatenschaft

Hallo und herzlich willkommen. Schön, dass Ihr am Tandem-Programm „Berufspatenschaft offensiv“ teilnehmt und heute über Eure Berufspatenschaft ins Gespräch kommt. Stellt Euch und Euren beruflichen Hintergrund bitte kurz vor.

Jörg: Ich bin Jörg, Berufspate, beruflich ausgebildeter Fliesenlegermeister und mache die Unterstützung sehr gerne ehrenamtlich – den Flüchtlingen zu helfen, einen Weg zu finden, in die Arbeit zu kommen und weitere Schritte zu begleiten, was durch die Bürokratie hilft. Wie bei Barakat, dass er mit der Fahrschule zurechtkommt. Ich bin auch schon auf dem Amt mit gewesen und versuche, Barakat zu Maßnahmen zu begleiten. Wir treffen uns regelmäßig. Barakat ist sehr offen und möchte etwas lernen, wie man hier zurechtkommt. Die Wege sind teilweise sehr kompliziert, wenn man hier neu ist, ankommt, mit dem ganzen Anmelden, mit dem Umschreiben; dann ist es schon wichtig, wenn man jemanden hat und Ratschläge bekommt. Es würde mir auch nicht anders gehen, wenn ich in einem anderen fremden Land wäre.

Barakat: Ich bin Barakat Othman. Ich bin 34 Jahre alt und komme aus Syrien. Vor zwei Jahren bin ich nach Deutschland gekommen. In meinem Heimatland Syrien habe ich Anglistik studiert, aber das Studium nicht abgeschlossen. Ich habe auch in verschiedenen Bereichen gearbeitet. Ich war in einem großen Betrieb als Mitarbeiter im Sicherheitsdienst angestellt. In Deutschland habe ich mehrere Deutschkurse besucht und das Sprachniveau bestanden. Ich wollte gern eine Ausbildung in Deutschland machen und habe mich bei vielen Firmen beworben, aber keine positive Antwort bekommen. Ich habe an einer Maßnahme im Bereich Lager/Logistik teilgenommen und möchte die Maßnahme zu Ende durchführen, um eine Arbeit zu finden.

Ihr habt Euch im Tandem-Programm „Berufspatenschaft offensiv“ kennengelernt. Wie war der erste Eindruck voneinander?

Jörg: Barakat ist zurückhaltend und höflich. Er ist in gewissen Dingen noch etwas schüchtern. Das bekommt man mit Unterstützung auch hin.

Barakat: Jörg ist freundlich und sehr nett. Er hat mir sehr geholfen. Er ist ein guter Mensch. Man braucht in Deutschland viel Unterstützung und er hat mir das angeboten. Dafür danke ich ihm sehr.

Wie waren eure gemeinsamen Treffen?

Jörg: Wir waren zweimal zusammen beim Jobcenter. Sechs Mal haben wir uns insgesamt getroffen Wir haben über seinen Nebenberuf bei der Post und über die neue Maßnahme im Bereich Lager/Logistik gesprochen. Ich habe ihm empfohlen, das zu machen, weil es perspektivisch mehr bringt als der Job bei der Post. Wenn er dann im Lager erstmal arbeitet und seinen Staplerschein macht, kann er, wenn er einen Job vermittelt bekommt, erstmals arbeiten und sich dann später neu bewerben. Dann hast Du aber schon eine Ausbildung, einen Beruf mit einer Qualifizierung. Das war für mich wichtig, dass er in diesem Bereich irgendwo Fuß fassen kann und seinen Lebensunterhalt davon bestreiten kann.

Barakat: Wir sind zusammen zum Jobcenter gegangen. Wir haben über meinen Minijob und die Maßnahme gesprochen. Jörg hat mir auch geholfen, eine Fahrschule zu finden.

Welche Erfolgserlebnisse konntet Ihr bereits wahrnehmen oder feststellen in der Berufspatenschaft? Welche kleinen Ziele wurden erreichen?

Jörg: Ja, ich denke, das ist das mit der Maßnahme. Es ist positiv, dass Barakat das angenommen hat. Mit dem Geld kann man unabhängig vom Jobcenter werden. Wenn Du voll verdienst, dann braucht man nicht mehr die Bürokratie, den Aufwand zu machen, sich immer erklären zu müssen. So hast Du, Barakat, einen festen Beruf, wo Du arbeitest und Geld verdienst.

Barakat: Ja, wir haben viel über die Maßnahme gesprochen. Der Job würde mir festes Einkommen bringen. Das ist auf jeden Fall positiv.

Welche Herausforderungen habt Ihr in der Berufspatenschaft gemeinsam gemeistert?

Jörg: Ich denke, das mit der Fahrschule, mit dem Minijob, mit dem Jobcenter; dass wir das konkretisiert haben und überlegt haben, was ist besser.

Was bedeutet für Euch die Berufspatenschaft und welche Erwartungen habt Ihr an die Berufspatenschaft?

Barakat: Berufspatenschaft bedeutet für mich die Beratung und die Unterstützung durch Jörg. Die Berufspatenschaft ist sehr wichtig für mich. Es gibt in Deutschland sehr viele Unterschiede zu Syrien. Man braucht immer Hilfe. In Deutschland gibt es viel Bürokratie. Die Behörden sind kompliziert. Ich brauche oft Erklärung und Hilfe.

Jörg: Ich finde es sehr positiv, wenn ich merke, dass ich Barakat weiterhelfe mit diesen Themen; dass man mit dem, was man macht, nicht stehen bleibt, sondern die Fortschritte erkennt bei Barakat, dass er das auch umsetzt. Ich erhoffe mir dabei, dass er jetzt durch diese Maßnahme einen Beruf findet und ich ihn bis dahin begleiten werde; solange bis er im festen Beruf ist, eigenständig ist. Wenn er Hilfe braucht, kann er sich melden bei mir, was er auch macht und ich kann ihm dann mit Rat und Tat zur Seite stehen. Das finde ich sehr positiv.

Barakat: Jörg hilft mir, einen passenden Weg zu finden, meine Zukunft in Deutschland zu bilden und konkret eine Arbeit zu finden.

Die letzte Frage: Was habt Ihr voneinander gelernt?

Jörg: Ich habe mich gefreut, Barakat kennenzulernen und freue mich weiterhin auf unsere Berufspatenschaft.

Barakat: Ich habe von Jörg gelernt – und er hat Recht, ich bin zurückhaltend und schüchtern – ich muss immer nachfragen, wenn man etwas nicht versteht. Das habe ich oft nicht gemacht. Ich freue mich auch sehr, Jörg kennengelernt zu haben.