„Sie schaffen das“ – vom BFD zur Sozialassistentin

Ein Gespräch mit Zainab Alali über ihre ersten Schritte in Deutschland bis zu ihrer Anstellung an einer Grundschule

Zainab kommt strahlend zu unserem Interview in unser Büro im Mehrgenerationenhaus „Pusteblume“. Nachdem wir schon viele Beratungen im Projekt #hotspot ARBEITsPLATTE miteinander hatten, sind wir beide gespannt auf diesen Rückblick.

Wie alles anfing: Die Mutter von fünf Kindern hat in Syrien am Lehrer-Institut eine Ausbildung gemacht und sieben Jahre als Französischlehrerin gearbeitet. Auch als Verwaltungsmitarbeiterin war sie eine Zeitlang im Schulamt tätig. „Ich hatte ein schönes Leben, und dann kam der Krieg mit anschließender Flucht.“ berichtet sie. In Deutschland angekommen, fing sie schon bald ihren ersten Sprachkurs an – und hat es innerhalb nur eines Jahres vom Sprachniveau A1 bis zu B2 geschafft! „Für mich war es dieser Zeit besonders wichtig, Kontakte zu anderen Menschen zu knüpfen. Es reicht nicht, nur zu Hause zu lernen. Sprache ist Sprache, und beim Erlernen braucht es diesen Kontakt mit Anderen.“

Mit einem Bundesfreiwilligendienst ins Berufsleben gestartet

Mit dem B2-Zertifikat in der Tasche konnte es nun weitergehen: Was für ein Glücksfall, dass Zainab von einem BFD hörte – und das klang sehr gut! Sie wusste, dass sie  im sozial-pädagogischen Bereich tätig sein möchte, und so passte es wunderbar, dass sie den Freiwilligendienst in einer Grundschule in Halle-Neustadt starten konnte. Ihre Aufgabe war es, Kinder und Eltern mit Migrationsgeschichte bei Fragen rund um die Schule zu unterstützen und den Lehrern zur Seite zu stehen. Heute erinnert sie sich so: „Es ist eine sehr gute Schule. Meine freundlichen Kolleginnen haben mich immer unterstützt.“  Während der 18 Monate des BFD hat sie viel gelernt, nicht nur beim praktischen Tun in der Schule sondern auch bei den begleitenden Seminaren. „Dort habe ich auch viele Menschen kennengelernt und wir konnten uns immer gut austauschen. Ich habe die deutsche Kultur besser kennengelernt. Das alles war sehr hilfreich für mich.“ Danach gab es leider keine Anschlussperspektive in der Schule, weil der Qualifikationsnachweis zu dem Zeitpunkt noch nicht ausreichte.

Dafür rückte ein Berufsabschluss näher: Im Projekt #hotspot ARBEITsPLATTE machten wir uns gemeinsam Gedanken, was ein guter nächster Schritt wäre. Wir haben uns angeschaut, welche Weiterbildungen im sozialpädagogischen Bereich passen – und nach ein klein wegig Skepsis entschied sich Zainab Alali für das Weiterbildungsangebot „Integrationshelfer*in“ als Online-Format.

„Sie schaffen das!“

Mit kleinen Ermutigungen und ein wenig Unterstützung wurde die Weiterbildung ein voller Erfolg! Und der Grundstein für ein dreimonatiges Praktikum wieder in der gleichen Grundschule „Einige Kinder verstehen noch gar kein Deutsch. Das ist sehr schwierig für die Lehrer*innen. Auch die Kinder benötigen Hilfe und Unterstützung in ihrer Muttersprache“, meint die sympatische junge Frau über ihre Aufgaben in der Schule. In dieser Zeit gelang es der Schule sogar, ihr einen Arbeitsvertrag als Integrationshelferin anzubieten.

Weiterhin stand die Frage im Raum, wie der in Syrien erworbene Abschluss anerkannt werden kann?! Nach Aussage des Landesschulamtes sollte geprüft werden, ob der hiesigen Ausbildungsberuf „Sozialassistent*in“ dem syrischen Abschluss gleichwertig ist. Da dies leider nicht der Fall war, stand als nächster Schritt die Teilnahme an einer Nicht-Schülerprüfung im Raum. Und wieder beschäftigten wir uns mit der Unsicherheit, ob das alles machbar ist. Auf meine Rückmeldung „Sie schaffen das!“ hat Frau Alali nur geschmunzelt, und wir stürtzen uns in die Vorbereitungen für die Prüfung.

Es folgten Telefonate, Online-Beratungen, Termine in der berufsbildenden Schule V, Konsultationen und viel Lernzeit. Frau Alali hatte ca. 9 Monate, um sich auf die Prüfung in allen Fächern vorzubereiten. Und siehe da: im Juli überraschte sie mich mit einem Anruf, dass sie die Prüfung bestanden hat. Was für ein Erfolg! „Ich bin sehr glücklich über die bestandene Prüfung. Ich wollte es einfach versuchen. In jedem Fall kann man nur dazu lernen.“ Mit diesem Abschluss geht es jetzt beruflich in den sozialen Bereich, damit Zainab Alali das tun kann, was ihr wirklich am Herzen liegt: Arbeit mit Menschen.

Autorin: Marina Zubchenko-Fritzsche, Projektleiterin „Berufspatenschaften – digital.engagiert“

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