„Wir lernen viel voneinander“ – Raik und Mahmoud über ihre Berufspatenschaft

Mehr als 30 Jahre seiner Berufstätigkeit hat Mahmoud Gaze im Gesundheitsbereich verbracht. Der heute 59-jährige Kinderarzt aus Syrien hat mit der Weltgesundheitsorganisation WHO, dem internationalen Kinderhilfswerk UNICEF oder dem syrischen Gesundheitsministerium zusammengearbeitet und dabei nationale Impfungsprogramme für Kinder oder Präventionsprogramme gegen Rauchen konzipiert und koordiniert. Er leitete ein Gesundheitszentrum und bildete angehende Ärzte aus.

Auch der berufliche Weg von Raik Gräfe führte in den Gesundheitssektor: nach einem Studium der Landwirtschaft begann der gebürtige Eilenburger, als Pharmareferent zu arbeiten. Seitdem berät er nun schon seit über 20 Jahren Ärzte zu Arzneimitteln, hat Kontakte zu Apotheken und Ärzten. Inzwischen lebt und arbeitet er in Halle.

Berufspatenschaft_Raik-MahmoudDort kreuzten sich schließlich auch die Wege der beiden Männer. 2018 meldete sich Gräfe bei der Freiwilligen-Agentur Halle als Berufspate an – ein Ehrenamt, bei dem Freiwillige die Patenschaft für einen arbeitsuchenden Menschen übernehmen und im Prozess der Arbeitssuche unterstützend zur Seite stehen. Mahmoud Gaze musste vor über drei Jahren seine Heimat Syrien verlassen und kam in die Stadt an der Saale. Beim Jobcenter erhielt er die Empfehlung, sich bei der Freiwilligen-Agentur zu melden, wenn er Unterstützung bei der Arbeitssuche wolle. Er meldete sich, und die beiden wurden einander vorgestellt. Seitdem unterstützt Raik Gräfe Mahmoud Gaze auf der Suche nach Möglichkeiten, seinen Beruf auch in Deutschland auszuüben. Die zu finden, ist schwierig – trotz der beeindruckenden Karriere, die hinter Mahmoud Gaze liegt. Dokumente müssen anerkannt und Einstiegsmöglichkeiten gefunden werden. „Und das mit der Sprache ist schwierig für mich“, fügt Gaze hinzu. Aufgeben will er trotzdem nicht.

Durch die Unterstützung von Raik Gräfe hat er nun einen Praktikumsplatz in einer Kinderarztpraxis bekommen und kann vorerst in seinen Beruf zurückfinden – denn seit seiner Ankunft in Halle vor drei Jahren konnte er ihn nicht wieder ausüben. „Das ist sehr schade, ich bin hier arbeitslos. Ich wollte hier arbeiten, nicht Geld vom Jobcenter erhalten. Und mit der Zeit vergisst man auch manches. Ein Jahr, zwei Jahre, drei Jahre ohne Arbeit – das ist lange.“ Die beiden treffen sich daher regelmäßig, um gemeinsam die nächsten Schritte zu besprechen. Inzwischen kommen auch Themen wie Familie, Urlaub und Kinder auf. Was sie voneinander gelernt haben? „Pünktlichkeit“, lacht Raik Gräfe. „Immer, wenn wir uns treffen, ist er super pünktlich. Und ich lerne viel über die Probleme, die wir so im normalen Leben gar nicht sehen, die aber unsere Schützlinge betreffen.“ – „Ich habe von Raik auch Pünktlichkeit gelernt“, so Gaze, „Und Loyalität. Ich bin sehr dankbar für seine Hilfe.“ Für die Zukunft wünscht sich Mahmoud Gaze, auch in Deutschland als Kinderarzt arbeiten zu können. Den Weg dahin muss er dank Freiwilligen wie Raik Gräfe nicht allein gehen.

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